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Lettmann Jörg Knorr - Kajak-Tour im Reich der Schwarzbären
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www.kajaktraum.de
Kajak-Tour im Reich der Schwarzbären
1. September 2009 | 04:40 Uhr | Von Jörg Knorr
Der Flensburger Jörg Knorr hat viele Kajak-Reisen hinter sich. In diesem Sommer bepaddelte er mit Sohn Hannes die Queen Charlotte Inseln im Nordwesten Kanadas.
Begeistert: Jörg (l.) und Hannes Knorr im Expeditionsoutfit.
Hier will ich paddeln, war mein erster Gedanke, als mir Edwin, ein Freund aus Vancouver, eine Karte der Queen Charlotte Inseln in die Hand drückte. Ich hatte gerade Vancouver Island im Kajak umrundet.
Die Queen Charlotte Inseln liegen an der Nordwestküste Kanadas. Die einheimischen Haida Indianer nennen sie "Haida Gwaii", was so viel wie "Inseln der Menschen" bedeutet. Haida Gwaii wird wegen der vielen vorhandenen endemischen Tier- und Pflanzenarten auch als Galapagos des Nordens bezeichnet. Unter anderem haust dort die weltweit größte Schwarzbärenart.
Hier in Flensburg arbeite ich im Konstruktionsbüro der FSG. Anfang 2009 haben wir das vorerst letzte Schiff, die "Northern Expedition", an die kanadische Reederei BC Ferries, ausgeliefert. Auf ihr konnte ich unsere Kajaks nach Kanada verschiffen. Der Name der Fähre passt, dachte ich und gab unserem Unternehmen den Titel "Northern Expedition - Haida Gwaii".
Es ist das erste Mal, dass mein Sohn Hannes, 21, mich auf einer wirklich langen Tour begleitet. Unweit von Skidegate Landing, dem Fährhafen auf Haida Gwaii, setzen wir unsere schwer beladenen Kajaks ins Wasser und paddeln entlang der Ostküste der Moresby Islands Richtung Süden. Nebelbänke ziehen langsam zwischen den Bergen nahe der Küste hindurch. Wir können uns kaum satt sehen. In Rose Harbour, einer Bucht am Südzipfel von Haida Gwaii, lernen wir Götz Harnisch kennen - ein Deutscher, der sich vor 26 Jahren hier niedergelassen hat. Er fesselt uns mit spannenden Geschichten bis um 2 Uhr morgens. Ansatzweise bekommen wir eine kleine Ahnung davon, was es heißt, hier draußen in der Wildnis zu (über)leben. Ganze drei Leute wohnen in Rose Harbour.
Größte Sammlung von Totempfählen
Auf Antony Island besuchen wir Sgang Gwaii, ein altes Haida Dorf. Es beherbergt die größte Ansammlung originaler Totempfähle. Sgang Gwaii wurde 1981 zum Weltkulturerbe erklärt. Ganz allein gehen wir zwischen den Pfählen hindurch. Extrem beeindruckend!
Die Westküste der Moresby Islands bietet bei kräftigem NW-Wind nur wenige sichere Anlandemöglichkeiten. Wir wollen kein unnötiges Risiko eingehen und paddeln an der Ostküste zurück zu unserem Ausgangspunkt. Bei Benjamin Point sehen wir "unseren" ersten Schwarzbären. Abends, als wir am Feuer sitzen, schaut er vorbei, lässt sich von unserer Anwesenheit aber nicht weiter stören. Wir uns durch ihn auch nicht. Irgendwann verschwindet er wieder im Wald. Lässt uns am Ufer zurück, um ein spannendes Erlebnis bereichert.
Mitte Juli starten wir zum 2. Teil unserer Tour. Wir wollen Moresby Island komplett umrunden. Die Ostküste von Graham Island ist ein einziger langer Strand, doch auf Dauer wirkt nur Strand etwas eintönig. Die Westküste ist dafür um so spektakulärer. Steile Felsen wechseln mit traumhaften Strände und gefährlichen Klippen, an denen sich hohe Wellen furchteinflößend brechen. Auf 60 bis 100 Meter langen Wellen gleiten wir sanft auf und ab. Das Wetter meint es gut mit uns. Noch!
Das Ganze ändert sich an unserem 30. Paddeltag. Wir verlassen Ingraham Bay an der Westküste. Als wir den Strandbereich verlassen, merken wir, die Brandung ist nicht ohne. Brechende Wellen verpassen uns mehrere kalte Duschen. Außerhalb der schützenden Bucht wird uns klar, dass alles bis jetzt Erlebte nur ein harmloses Vorspiel war. Über vier Meter hohe Wellen marschieren schräg von vorn auf uns zu. Dazu Nebelschleier, die die Sicht verschlechtern und vorgelagerte Klippen, die großräumig umfahren werden müssen. Hannes’ Gesichtsausdruck macht mich unsicher. Er strahlt weder Optimismus noch Entschlossenheit aus. Auch mir wird ganz anders beim Anblick dieser Wellen. Voll konzentriert mit regelmäßigen prüfenden Blicken zum Paddelpartner reiten wir die Wellen ab und bewegen uns kontinuierlich, wenn auch langsam, auf die nächste Bucht zu. Nach 4 ½ durchkämpften Stunden paddeln wir endlich in Otard Bay hinein. Der Wind lässt nach, die Wellen werden kleiner, die Spannung löst sich. Ein leichtes Grinsen ist in Hannes’ Gesicht zu erkennen. "Das muss ich nicht noch mal haben" sagt er. "Ich auch nicht", denke ich.
Zum Glück bleiben diese Bedingungen eine Ausnahme. Es folgen weitere wunderschöne Küstenpanoramen mit Traumstränden, Seelöwenfelsen, Walsichtungen und über dem Lagerfeuer gegartem Fisch. Alles zusammen eine unglaubliche Schönheit. Immer mehr stellt sich eine tiefe Zufriedenheit ein. Wir haben einen Hauch von großer Freiheit gespürt. Sind dankbar für das Erlebte und stolz darauf, wie wir es erlebt haben. Wir haben fast 1000 Paddel-Kilometer in den Armen, im Hintern und, was am wichtigsten ist, im Kopf. Wir wollten neue Horizonte entdecken, geographische und emotionale, das ist uns ziemlich gut gelungen.
Jörg Knorr - Kajaktraum.de
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